Begrüssung

Immer mehr die Weinstraße "Villány-Siklós“ besuchende Touristen entdecken sich die feurige Rotweine bergenden, unter Denkmalschutz stehenden Keller und die Gastfreundschaft der Winzer. An dem neben der Hauptstrasse errichteten Spielplatz finden sowohl die einheimischen, als auch die durchreisenden Kinder ihre Freude. Die hölzernen Einrichtungen des Spielplatzes zählen zu den anspruchsvollen Schnitzerarbeiten der Volkskunst.
Die Vogelwelt und die Ruhe der nahe liegenden Fischweiher bieten Erquickung den Anglern und Ausflüglern. Das meistbesuchte Volksfest von Palkonya ist der "Tag der offenen Keller“, das jedes Jahr am Pfingstsonntag von den Bewohnern und der örtlichen Selbstverwaltung veranstaltet werden. An diesem Tag finden kulturelle Veranstaltungen und Kinderbeschäftigungen statt, die die Weinverkostungen bereichern. Es fehlen natürlich auch die Kutschenfahrt und Speckbraten nicht. Alle Interessenten werden herzlich erwartet.
Palkonya gehört zur auf eine alte Tradition zurückblickende Weinregion "Villány-Siklós“.
Einige von den beliebtesten Winzerfamilien ohne Anspruch auf die Vollständigkeit: Béla JEKL, János HARASZTI, Róbert MAYER, Csaba FUSZ, Ferenc FRECH, Miklós MAUL, Béla REITZ, Mihály TAKÁCS, Attila BLÁZSOVICS.
Die Gemeinde ist berühmt für viele Künstler und schöpferische Geister, die sich im letzten Jahrzehnt hier ansiedelten: Judit MAJOR (Bildhauerin-Keramikerin), Gerald KASKE (Keramiker), György KISS (Restaurator), Katalin TÁBORI (Bildhauer), Nasir Vanden Avont (Porzellanmaler), Freundeskreis der Finnischen Bildenden Künstler (Filmregisseur, Textilkünstler, Maler, Bildhauer), Leonóra BECKER (Fotografin). Zu den neusten "sonderbaren“ Menschen zählen Balázs HÁRSÁGYI és Szilvia RECHNICZER, die sich mit Straußvogel- und Schildkrötezüchtung beschäftigen.

Synthese
Die Hälfte der 108 in der Gemeinde lebenden Familien wohnt in Gebäuden, die von der Selbstverwaltung 1992 unter Schutz gestellt worden sind. Die Aktion im Interesse des Dorfbildschutzes, die auch die Bevölkerung aktiv mit hineinzog, mobilisierte die Einwohner zur Restaurierung ihrer Eigentume, und brachte sehenswerte Ergebnisse. Immer mehr Besucher der Weinstrasse "Villány-Siklós“ bewundern das Dorfantlitz und genießen ihre eigenartige Atmosphäre. Das geordnete Dorfbild und die gepflegten Traditionen verbessern die Lebensumstände der Bevölkerung, stärken die Anziehungskraft der Landschaft und erhöhen den Marktwert der Immobilien. Die Dorfbildschutz-Aktion hatte zur Folge, daß das Dorf sich völlig erneuerte.
Ziele

Das aus 53 Kellern bestehende Kellerdorf am Dorfrand ist die berühmteste Sehenswürdigkeit unserer Gemeinde. Die weißgetünchten Keller wurden ab Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut, das hier als Blütezeit der Weinkultur gilt. Die Kellergruppe bietet auch heute einen reizeneden Anblick. Seit fast 20 Jahren stehen die Keller unter Denkmalschutz. Die der Hl. Elisabeth aus Thüringen geweihte römisch-katholische Kirche wurde von der Grafenfamilie Batthyány 1816 gebaut. Sie ist eines der schönsten Beispiele für die ungarischen klassizistischen Rundkirchen. Ihre rote Kuppel ist auch aus der Ferne sichtbar. Die Siedlung hat nur eine einzige Straße, die aus 108 Wohnhäusern besteht. Davon sind 52 "Bauernhäuser“ 100-200 Jahre alt, die Anderen wurden zwischen 1960-1980 gebaut. Die Baumethoden der 1950er Jahre ließen die politische Ideologie folgend für die herkömmlichen Bauweisen keinen Platz. Die Vermögender rissen ihre Häuser ganz ab und bauten den damaligen Geschmack entsprechende Neue. Die aus Lehmziegeln gebauten Häuser, die die Hälfte des Dorfes bilden, blieben eher bei den ärmeren Familien erhalten. Diese Menschen verrichteten Renovierungen und Instandhaltungen in der Regel ohne fachliche Hilfe und gelegenheitlich. Trotzdessen gab die Siedlung aus architektonischer Sicht schon am Anfang der Dorfbildschutz-Aktion Grund zur Hoffnung, da die Dorfstruktur, die Lage und Baumasse der Gebäude noch immer die Traditionen ehrende Vergangenheit heraufbeschwörten.
- Sicherung moderner Lebensbedingungen mit traditionstreuen Methoden
- stilmäßige Umgestaltung der aus Lehmziegeln gebauten Häuser
- Schutz und Entwicklung des eigenartigen Dorfbildes
- Verbesserung der Lebensqualität einzelner Familien
- Erhöhung der Anziehungskraft des Dorfes
Die Lösung dieser Aufgabe verlangte eine besonders sorgfältige Vorbereitung, da das von der Selbtverwaltung vorgestellte Entwicklungsziel sich ausschließlich auf Privateigentum bezog. Es war darum ein langer, alle Details erörtender Dialog zwischen den Betroffenen und den Koordinatoren der Aktion nötig. Es waren noch weitere Voraussetzungen nötig: "Ansporn-Mittel“ (Geld), Experten und engagierte Menschen.

Im ersten Schritt verfertigte eine Expertengruppe eine Wert-Analyse über Palkonya aus architektonischer Sicht. Das daraus entstandene Buch enhielt Fotos über jedes zum Schutz vorgeschlagene Gebäude, zählte seine Werte auf und gab fachliche Ratschläge zum Umbau und zur Renovierung. Aus diesem Material wurde eine Ausstellung gemacht, zur Eröffung wurden alle Eigentümer eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Begriff "örtlicher Bauschutz“ erklärt und die daraus resultierenden Vorteile und Pflichten dargestellt. Zur Verwirklichung der Idee der Selbstverwaltung waren die positive Einstellung und das definitive Einverständnis der Eigentümer nötig.
Praktische Kenntnisse über den Denkmalschutz hatten damals nur diejenigen Kellerbesitzer, die mit ihrem Anliegen auf der Landesliste des Denkmalschutzamtes standen, und seine strengen Regelungen kannten. Für Gebäude mit örtlichem Schutz wurde kein Bauverbot verhängt, man musste nur das klar vor Augen halten, daß der Umbau immer den Stil des ursprünglichen Gebäudes behalten muß. Zunächst gefiel diese Idee etwa der Hälfte der Anwesenden spürbar nicht, diese geplante örtliche Regelung wurde von ihnen als Einmischung in ihre privaten Angelegenheiten betrachtet. (Daß es überhaupt nicht nur eine private Angelegenheit ist, wurde damals nur von Wenigen verstanden!) Es wurde klar, daß zum Erfolg der Dorfbildschutz-Aktion die ganze örtliche Bevölkerung zu überzeugen war. Es wurde eine Mediakampagne gestartet. Es entstanden zahlreiche Presseartikel und drei TV-Kurzfilme über die architektonischen Werte der Gemeinde. Diese gaben die Notwendigkeit einer Dorfbildschutzmaßnahme und auch die daraus resultierenden Vorteile (z.B. Tourismus) ein. Die Aufmerksamkeit wurde auf Palkona gelenkt. Ein Jahr später (1993) gründete die Selbstverwaltung einen Geldfonds, die für solche Immobilienbesitzer zur Verfügung stand, die ihre zum örtlichen Schutz empfohlenen Häuser renovieren wollten. Nach der Einmeldung des Renovierungsvorhabens verfertigte der Eigentümer mit dem Architekten der Selbstverwaltung gemeinsam vor Ort eine technische Beschreibung der geplanten und empfohlenen Umbauarbeiten. Diese Beschreibung bildete die Beilage des Förderungsvertrages und erschien auch in der örtlichen Zeitung. So konnten auch die Nachbarn kontrollieren, ob alle geplante Arbeiten verwirklicht werden. Trotz der zahlenmäßig bescheidenen Förderung zeigte sich ein reges Interesse dafür. Das war der entsprechene Moment, als alle Eigentümer, die ein zum örtlichen Bauschutz vorgeschlageges Haus besaßen, eine zustimmende Erklärung unterschrieben und sich zur Einhaltung der Bauvorschriften verpflichteten. Es begann der Renovierungsprozeß. Noch in jenem Jahr wurden zehn Gebäude in fertiggestellt. Die Familien verwendeten für die Renovierungen im Schnitt etwa das Zehnfache der gewährten Förderung. Zum Erfolg trug auch der "Tag des ungarischen Dorfbildschutzes“(1994) bei, der in Palkonya veranstaltet worden ist, und fast ein Jahr Vorbereitungszeit in Anspruch nahm. An diesem Festival nahmen mehrere Hundert Personen teil, unter ihnen Architekten, Fachleute für Regiontwicklung, Vertreter in- und ausländischer Gemeinden. Die Veranstaltung "Offene Keller, offene Häuser“ war das meistbesuchte Programm. Die positive Meinung und Begeisterung der Gäste über die Gesehenen halfen die Bevölkerung überzeugen, daß sie auf dem richtigen Weg ist.

Die 1992 unter örtlichen Schutz empfohlenen 52 Wohnhäuser wurden mit voller Unterstützung der Eigentümer stilmäßig renoviert. Im Laufe der Aktion wurde die Hälfte des Dorfes erneuert, und damit veränderte sich auch das Strassenbild von Palkonya völlig. Die Sendungen über die Gemeinde hatten zur Folge, daß die Bevölkerung auch in anderen, die Gemeinschaft betreffenden Arbeiten aktiver wurde. Es ließen sich mehrere junge Familien im Dorf nieder. Die am Anfang der 90-er Jahre demografisch alternde Gemeinde verjüngerte sich auf die Gegenwart. (Die Zahl der Jungen ist gleich mit der der Pensionisten.) Auch sechs neue Familienhäuser wurden nach den Vorschriften der örtlichen Bauregeleung (traditionelle Zierelemente, Baumasse) umgebaut und erhielten eine herkömmliche Form. Die Traditionen sind in Mode gekommen! Die Aspekten des Dorfbildschutzes wurden von der Telefongesellschaft, den Gas- und Stromwerken respektiert, und sie führten ihre neuen Leitungen und technischen Bauten unterirdisch aus. Die Immobilienpreise vervielfachten sich, es gab nur für Bauernhäuser Nachfrage. Immer mehr die Weinstraße "Villány-Siklós“ besuchenden Touristen, genießen die feurige Rotweine bergenden, unter Denkmalschutz stehenden Keller und die Gastfreundschaft der Winzer.
Die Geschichte von Palkonya/Palkan
Palkonya ist eine verhältnismäßig alte Siedlung. Sie wird erstmals 1296 urkundlich erwähnt. Das Dorf gehörte zu dem Gut Kéménd, dessen Eigentümer aus der Sippe Győr stammender Konrad war. Die Eigentümer wechselten sich im Laufe der Jahrhunderte oft, und auch über die Bevölkerung kann man kaum etwas wissen. Nach der Schlacht bei Mohács im Jahre 1526 geriet dieser Teil Ungarns für 150 Jahre unter türkische Herrschaft. Den Steuerbögen dieser Zeit kann man entnehmen, daß die Bevölkerungszahl sehr niedrig war. 1554 gehörte das Dorf zum Bezirk Harsány und zahlte für die Türken nach sieben Häusern Steuer. 1687, als das türkische Herr bei Nagyharsány eine vernichtende Niederlage erlitt und dieser Landstrich vom türkischen Joch endgültig befreit wurde, waren in Palkonya 8 Häuser und 20 Einwohner. Die Menschen beschäftigten sich mit Ackerbau und Weinanbau. Die Ackerfläche betrug 100 Joch und auch Weingärten gab es. Der Weinanbau wird in dieser Urkunde zum ersten Mal erwähnt. Während der Türkenzeit starb ein Teil der Bevölkerung in den Folgen der Feldzüge aus, ein anderer Teil floh weg, oder wurde verschleppt.
Für die Ersetzung der fehlenden Bevölkerung wurden im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts deutschen und serbische bzw. kroatische Familien entlang der Donau, bzw. in die westliche Hälfte des Landes angesiedelt. Zwar wurden die ersten deutschen Kolonisten in unserer Region ab den 20er Jahre des 18. Jh.-s angesiedelt, wurde der erste deutsche Name erst 1745 in die Matrikel der Pfarrei von Razpeter als Palkaner Bauer eingetragen. Selbst die Pfarrei wurde in diesem Jahr gegründet. Früher gehörte das Dorf zu der Pfarrei in Siklós. Im Grundbuch findet man die ersten deutschen Namen im Jahre 1748. Diesem ist es zu entnehmen, daß es in dieser Zeit 20 deutsche, 1 ungarische und zwei serbische Familien hier ansässig waren. 1757 hatte das Dorf schon 133 Gläubige, die auch kommunzierten. Die Kinder wurden vom Lehrer Valentin Metzing unterrichtet. Aufgrund der mündlichen Überlieferung fielen die ersten Siedler einer Choleraepidemie zum Opfer. Dies wird durch die Tatsache unterstützt, daß von den ersten Familiennamen nur noch Mayer, Schmidt und Müller erwähnt werden. Zwar wurde die Gemeinde durch zwei Jahrhunderte ausschließlich von Deutschen bewohnt, bekannten sich bei den Volkszählungen 1880-1910 7 bis 34 Personen, 1920 schon 149 Personen zu den magyarischen Nationalität. Am Ende des 2. Weltkrieges flüchteten Viele vor der Front nach Deutschland. In die Häuser der Deutschen zogen ungarische Familien ein. In der Gegenwart leben Magyaren und Deutsche friedlich miteinander. Die gemeinsame Arbeit und Sorgen schmiedeten die Dorfbewohner zusammen. So sind auch Mischehen nicht selten.